BIS Netzwerk für betriebliche Integration und Sozialforschung e. V.

Aktuelle Projekte und Aktivitäten

Persönliches Budget

Seit 1. Januar 2008 haben Menschen mit Behinderungen das Recht, für Leistungen, auf die sie einen gesetzlichen Anspruch haben, ein Persönliches Budget ausgezahlt zu bekommen. Mit diesem Geld können sie sich die Unterstützung dort einkaufen, wo sie ihren eigenen Vorstellungen am besten entspricht. Dieses Recht ist ein entscheidender Schritt für mehr Selbstbestimmung und Eigenverantwortung von Menschen mit Behinderungen. BIS e. V. kann dadurch betriebsintegrierte Qualifizierungsangebote personenorientiert umsetzen.

BIS e. V. kann es seinen TeilnehmerInnen ermöglichen mit dem Persönlichen Budget

  • während der Schulzeit assistierte betriebliche Praktika durchzuführen, um eine informierte Berufswahlentscheidung zu treffen und nachschulische Anschlussperspektiven anzubahnen

  • den Berufsbildungsbereich in einem einstellungsbereiten Betrieb des allgemeinen Arbeitsmarktes durchzuführen, um dadurch eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu erreichen, anstatt ihn in einer Werkstatt für behinderte Menschen zu absolvieren

  • an einer Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme teilzunehmen, die auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt in den Kooperationsbetrieben von BIS e. V organisiert ist und .nicht außerbetrieblich. Dadurch werden konkrete Anschlussperspektiven im Betrieb ermöglicht

  • durch eine „individuelle betriebliche Qualifizierung“ einen Arbeitsplatz zu erreichen, der zu den Vorstellungen und Fähigkeiten der Berufseinsteiger/innen passt

  • erreichte betriebliche Ausbildungs- und sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse durch passgenaue Unterstützung nachhaltig abzusichern.

Weitere Informationen:

Arbeitsweise

Für unsere Angebote wurden detaillierte Durchführungskonzepte erstellt, die den Kostenträgern vorliegen und denen Folgendes gemeinsam ist:

  • Die Qualifizierung der Budgetnehmer/innen ist nicht auf vorgegebene Berufsfelder beschränkt. Die Berufswahlmöglichkeiten umfassen das gesamte Spektrum beruflicher Tätigkeiten, die in Berliner Betrieben verfügbar und von den Budgetnehmern/innen erreichbar sind.
  • Die fachpraktische Qualifizierung findet in Betrieben des allgemeinen Arbeitsmarktes statt, die den Budgetnehmer/innen Lernmöglichkeiten und Übernahmeperspektiven bieten, die zu ihren beruflichen Wünschen und beruflichen Fähigkeiten passen.
  • Durch die anforderungsorientierte Qualifizierung der Budgetnehmer/innen und durch die fähigkeitsorientierte Gestaltung der von ihnen angestrebten Arbeits- und Ausbildungsplätze werden Passungsverhältnisse zwischen individuellen Fähigkeiten und betrieblichen Anforderungen erreicht, die in betriebliche Ausbildung und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung führen.
  • Mit Methoden, die für alle am individuellen Qualifizierungs- und Integrationsprozess beteiligten Personen transparent sind, werden im Dialog mit den Budgetnehmer/innen erreichbare Lehr-/Lernziele aufgestellt und die darauf bezogenen Lernhilfen abgesprochen.
  • Die betrieblichen Kooperationspartner werden integrationspädagogisch beraten und bei der Entwicklung von passgenauen und wirtschaftlich tragfähigen Ausbildungs- und Arbeitsverhältnissen für die Budgetnehmer/innen unterstützt.
  • Die Ziele, Rechte und Pflichten der Zusammenarbeit zwischen den Budgetnehmer/innen, den Kooperationsbetrieben und BIS e.V. werden in einem von allen drei Partnern und ggf. von den gesetzlichen Betreuern/innen unterzeichneten Qualifizierungsvertrag vereinbart.

Arbeitsergebnisse

Die von BIS angebotenen Unterstützungsleistungen werden im monatlichen Durchschnitt von rund 50 Budgetnehmer/innen genutzt.

Bis Ende Dezember 2016 haben 56 junge Frauen und 120 junge Männer ihre betriebliche Qualifizierung zur Vorbereitung auf eine Ausbildung oder sozialversicherungspflichtige Arbeit abgeschlossen. Davon hatten 45 Personen aufgrund ihrer Behinderung einen sehr hohen Unterstützungsbedarf.

72 (42%) Budgetnehmer/innen erreichten Ausbildungsverhältnisse, 40 (23%) sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse und 22 (13%) andere weiterführende Bildungsangebote. Hervorzuheben ist dabei, dass die Höhe des behinderungsbedingten Unterstützungsbedarfs wenig mit dem Integrationserfolg zu tun hatte. Es gab zwar Fälle, in denen der individuelle Unterstützungsbedarf höher war als die verfügbaren Ressourcen. Die motivationalen Bedingungen des Lernens waren für den Erfolg unserer Qualifizierungsangebote aber viel bedeutsamer.

Detaillierte Darstellungen und Bewertungen der Arbeit sind enthalten in:

Joachim Radatz, Martina Bausch, Gabriele Humpert-Plückhahn, 2012, Persönliches Budget zur Teilhabe am Arbeitsleben. Teil 1: Ein Berliner Angebot und seine ersten Ergebnisse, in: impulse Nr. 60/2012, S. 18 – 25.
Dokument:  Teilhabe am Arbeitsleben 1, 2012 (PDF-Datei)

Joachim Radatz, Martina Bausch, Gabriele Humpert-Plückhahn, 2013, Persönliches Budget zur Teilhabe am Arbeitsleben. Teil 2: Umsetzungsprobleme und ihre Bedeutung für die Selbstbestimmung, in: impulse Nr. 64/2013, S. 6 – 21.
Dokument:  Teilhabe am Arbeitsleben 2, 2013 (PDF-Datei)

Der Qualifizierungs- und Integrationsprozess einer Budgetnehmerin wurde im Film Wer wagt gewinnt von Petra Ottmann vom Berliner Zentrum für Selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen e.V. dokumentiert.

 

ZiB – Zukunft im Beruf
Betriebspädagogische Begleitung an beruflichen Schulen

Seit Oktober 2015 unterstützt ZiB den Berliner Schulversuch „  Integrierte Berufsausbildungsvorbereitung“ (IBA) durch den Einsatz von Bildungsbegleiter/innen.

Vorrangige Zielsetzung ist dabei, den Schüler/innen des Schulversuchs den nahtlosen Übergang in betriebliche Berufsausbildungs- oder sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse zu ermöglichen.

Zu den Aufgaben der Bildungsbegleiter/innen gehören insbesondere

  • Kompetenzermittlung und Berufswegeplanung
  • Vorbereitung, Begleitung und Auswertung von Betriebspraktika
  • Beratung und Unterstützung von Betrieben bei der Übernahme von Schüler/innen in Ausbildung und Arbeit
  • Verbleibsdokumentation

ZiB ist ein Verbundprojekt, an dem neben BIS e.V.  Arbeit und Bildung e.V., WeTeK Berlin gGmbH und  Schildkröte GmbH beteiligt sind.

Die im Schuljahr 2015/2016 erreichten Ergebnisse sind in einem Zwischenbericht dargestellt:
ZiB Zwischenbericht (PDF-Datei)

Weite Informationen finden Sie auf der gemeinsamen Webseite „  Zukunft im Beruf

Chance Betrieb

Chance Betrieb startete am 01.07.2015 im Rahmen des Bundesprogramms „  Integration statt Ausgrenzung“ und ist ein Verbundprojekt, das BIS e.V. zusammen mit der  WeTeK Berlin gGmbH durchführt.

Das gemeinsame Anliegen besteht darin, für Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die durch gängige Maßnahmen nicht (mehr) erreicht oder nachhaltig vermittelt werden konnten, durch betriebsnahe Aktivierung, Qualifizierung und Überleitung in Ausbildung und Arbeit eine berufliche Perspektive zu schaffen.

BIS e. V. wendet sich dabei an Menschen mit Lernschwierigkeiten und Behinderung, um mit ihnen Qualifizierungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten in integrationsbereiten Unternehmen zu erschließen und zu realisieren.

 Projektflyer (PDF-Datei)

GastroINKLUSIV

Mit GastroINKLUSIV wurde im Oktober 2016 unter der Federführung des  EPIZ Entwicklungspolitisches Bildungs- und Informationszentrum e.V. im Rahmen des EU-Programms  Erasmus+ begonnen.

Das Ziel von GastroINKLUSIV ist es, beispielhaft für den Bereich Gastronomie, Möglichkeiten für inklusives Lernen in der beruflichen Bildung aufzuzeigen. Berufsschulen, Bildungsakteure und Unternehmen aus Italien, Österreich und Deutschland entwickeln dafür gemeinsam Lehr-/Lernmodule in einfacher und leichter Sprache.

BIS e.V. ist an allen Projektaktivitäten beratend als Experte für Inklusion beteiligt.

Weitere Beteiligte sind:

BBAV – Begleitete Berufsausbildungsvorbereitung im ‚Masterplan für Integration’ für Jugendliche über 16 Jahre mit geringen Deutschkenntnissen.

Dieses Projekt führen wir im Auftrag der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie seit Anfang Februar 2017 auf Grundlage der im Berliner Schulversuch „ Integrierte Berufsausbildungsvorbereitung“ (IBA) gewonnenen Praxiserfahrungen durch.

BBAV richtet sich an geflüchtete Jugendliche, die das 16. Lebensjahr erreicht haben und Berufsqualifizierende Lehrgänge an Berliner Oberstufenzentren und Berufsschulen besuchen. Sie sollen an den Berliner Ausbildungs- und Arbeitsmarkt herangeführt werden. Die Verzahnung von schulischem Unterricht, berufsfeldorientierter Sprachentwicklung und betrieblichen Praxisphasen gehört dabei zu den zentralen konzeptionellen Leitlinien der Projektarbeit.

Mit Unterstützung der von BIS e.V. eingesetzten Bildungsbegleiter/innen erhalten Schüler/innen der Zielgruppe die Möglichkeit

  • die betriebliche Realität des Arbeitslebens in den von ihnen gewählten Berufsfeldern kennen zu lernen
  • ihre beruflichen Vorstellungen und Wünsche zu reflektieren und weiter zu entwickeln
  • das Berliner System der beruflichen Bildung kennenzulernen und den Stellenwert der Berufsausbildung in Deutschland zu verstehen
  • informierte Berufswahlentscheidungen zu treffen
  • ihre individuellen Bildungs- und Berufswege realitätsbezogen zu planen
  • Bildungs- und Erwerbsanschlüsse zu erreichen, die zu ihren Fähigkeiten und Wünschen passen