BIS Netzwerk für betriebliche Integration und Sozialforschung e. V.

Leitbild

Unser Engagement wird von einem Menschenbild getragen, bei dem die Würde und Wertschätzung des Individuums, sein Recht auf Selbstbestimmung und seine soziale Verantwortung, seine Fähigkeiten und Entwicklungspotenziale von zentraler Bedeutung sind. Wir sind gegen jede Form von Ausgrenzung und setzen uns für eine demokratische Gesellschaft ein, in der soziale Vielfalt als Bereicherung erlebt wird und das gleichberechtigte Zusammenleben und Zusammenarbeiten von Menschen mit und ohne Behinderung selbstverständlich ist.

Dabei berufen wir uns insbesondere auf:

  • Artikel 3 Absatz 3 Satz 2 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland: „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“

  • § 27 Absatz 1 des Übereinkommens der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, das nach seiner Ratifizierung durch die Bundesrepublik Deutschland im März 2009 in Kraft getreten ist: „Die Vertragsstaaten anerkennen das gleiche Recht von Menschen mit Behinderungen auf Arbeit; dies beinhaltet das Recht auf die Möglichkeit, den Lebensunterhalt durch Arbeit zu verdienen, die in einem offenen, integrativen und für Menschen mit Behinderungen zugänglichen Arbeitsmarkt und Arbeitsumfeld frei gewählt oder angenommen wird.“

  • § 1 des Neunten Sozialgesetzbuches – Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen: „Behinderte oder von Behinderung bedrohte Menschen erhalten Leistungen […], um ihre Selbstbestimmung und gleichberechtigte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft zu fördern, Benachteiligungen zu vermeiden oder ihnen entgegenzuwirken.“

In der praktischen Integrationsarbeit sind für uns die folgenden Leitlinien bindend:

Einzelfallorientierung
Die individuelle Lebenslage von Menschen mit Behinderungen, ihre persönlichen Vorstellungen, Neigungen, Fähigkeiten und Ziele bestimmen die Art und den Umfang der im Einzelfall sinnvollen Hilfe. Von uns werden personenbezogene Unterstützungsprogramme zur Behebung des individuellen Bedarfs im Arbeits- und Ausbildungszusammenhang entwickelt und umgesetzt.

Mobilität
Die Unterstützung erfolgt soweit wie möglich im „natürlichen“ Setting der alltäglichen Lebensräume. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Behinderung, ihre Eltern und Schulen, die kooperierenden Betriebe und andere für den Integrationsprozess wichtige Akteure und Einrichtungen werden von uns aufgesucht. Auf diese Weise bekommen wir Einblicke in die Lebenswirklichkeit unserer Kunden, was uns befähigt, eine lebensweltorientierte Beratung und Unterstützung umzusetzen.

Kooperation
Wir verstehen unsere Unterstützung als ein Angebot im Netzwerk von sozialen Dienstleistungen, die zur betrieblichen Integration von Menschen mit Behinderung beitragen können. Die Zusammenarbeit mit anderen Trägern, Einrichtungen und Diensten der beruflichen Bildung und sozialen Arbeit wird von uns gesucht und gefördert, um belastbare soziale Netzwerke zu knüpfen, die geeignet sind, die von uns initiierten und begleiteten Qualifizierungs- und Integrationsprozesse nachhaltig abzusichern.

Selbstbestimmung und Partizipation
Die im Einzelfall angestrebten Ziele, die zu ihrer Erreichung einzusetzenden Mittel und die Modalitäten der Zusammenarbeit werden mit unseren Kunden abgesprochen. Sie sind nicht die Objekte einer pädagogischen Behandlung, sondern werden von uns zur aktiven Mitwirkung aufgefordert und sind für ihre Lern- und Integrationsprozesse mitverantwortlich.

Subsidiarität
Wir bieten Hilfe zur Selbsthilfe. Unsere Unterstützung verhält sich den Möglichkeiten der Selbst- und Laienhilfe gegenüber subsidiär. Unsere Unterstützungsleistungen werden in dem Maße reduziert, wie andere Instanzen diese Unterstützung übernehmen können. Die Suche nach anderen Quellen der Hilfe und ihre Erschließung werden damit zu zentralen Aufgaben. Mit der Mobilisierung von Selbsthilfepotenzialen und der Bekräftigung von Eigenaktivität begleiten wir junge Menschen auf dem Weg zunehmender Selbständigkeit und Selbstbestimmung.

Betriebsnähe
Gelehrt und gelernt wird überwiegend dort, wo Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen entwickelt werden können. Betriebe werden von uns dabei als Kunden verstanden, die ebenso wie die Arbeitsuchenden eine hochwertige Dienstleistung erwarten und erhalten. Indem geeignete Bewerberinnen und Bewerber für Arbeits- oder Ausbildungsplätze gesucht werden, werden Betriebe bei der Personalauswahl unterstützt. Indem Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger im Arbeitszusammenhang unterstützt und begleitet werden, wird der vom Betrieb für Ausbildung und Einarbeitung zu leistende Aufwand minimiert.

Qualitätsentwicklung
Wir aktualisieren ständig unser Fachwissen und qualifizieren uns für innovative Konzepte und Methoden, die unserem Leitbild entsprechen. In regelmäßigen Team- und Fallbesprechungen werden die Prozesse und Ergebnisse unserer Arbeit kontinuierlich reflektiert. Fachliche Probleme werden gemeinschaftlich gelöst und sind für uns Lerngelegenheiten, die unsere Kreativität herausfordern und zu neuen Einsichten und Qualitätsverbesserungen führen können.